Den besten Teil meines Aufenthalts in Großbritannien habe ich mir bis zum
Schluss aufgehoben: eine Reise nach Schottland. Dieses Jahr hatte ich die
stressigsten Weihnachts-„Ferien“ ever (Wer hat sich denn bitte das englische System
ausgedacht, dass die Prüfungsvorbereitung auf die Feiertage fällt??) und einen
Januar voller Essay-Deadlines und Klausuren. Als Belohnung habe ich mir endlich
eine Reise nach Schottland gegönnt – Dieser Wunsch ging mir spätestens nicht mehr aus dem Kopf, seit ich angefangen hatte, Outlander anzusehen.
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*seufz* ©Paste Magazine |
Zusammenfassend kann ich sagen: Edinburgh ist unglaublich schön, ich
hatte ausgerechnet in Schottland Glück mit dem Wetter und Haggis schmeckt viel besser
als gedacht!
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Die Victoria Street in Edinburgh |
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Haggis, Neeps and Tatties - Zutaten-Googlen auf eigene Gefahr |
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Highlands-Feeling beim Wandern auf Arthur's Seat |
Außerdem ist mir
bei einer Stadttour etwas Erstaunliches klar geworden: Mein Auslandssemester hat
dafür gesorgt, dass ich etwas mit den Schotten gemeinsam habe. Nein, ich bin
nicht plötzlich besonders patriotisch geworden, habe keinen Akzent zum
Dahinschmelzen und ich habe auch nicht meine Liebe zu Whisky entdeckt. Aber
nachdem unser schottischer Stadtführer zum fünften Mal wiederholt hat, dass er
und seine Landsleute vielleicht nicht besonders „clever“, dafür aber „very
creative“ seien, habe ich mich wiedererkannt. Ich kann zwar schwer sagen, wie
sich das Auslandssemester auf meine Cleverness ausgewirkt hat, aber ich bin auf
jeden Fall kreativer und erfinderischer geworden.
Das hat auch die Langzeitstudie „Evaluating the Study Abroad Experience Using the Framework of Rotter’s Social Learning Theory” von Mark McLeod et al. gezeigt. Die Studie hat die Auswirkung
eines Auslandsstudiums auf die Persönlichkeit der Auslandsstudenten untersucht
und sich dabei an Rotters
Social Learning
Theory orientiert. Laut dieser Theorie bestimmen zwei Faktoren das menschliche
Verhalten: die Erwartung, belohnt zu werden, wenn wir uns auf eine bestimmte
Weise verhalten und wie erstrebenswert wir die jeweilige Belohnung finden. Die
Social Learning Theory ordnet Menschen
auf einer Skala zwischen sehr „intern“ und sehr „extern gesteuert“ ein. Für
Internals ist alles, was ihnen passiert,
eine Folge ihrer eigenen Handlungen. Das macht sie zu guten Problemlösern. Im
Gegensatz dazu denken
Externals, dass
alles von äußeren Mächten, zum Beispiel dem Schicksal, bestimmt ist. Hier ein Beispiel:
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Externals: "Oh man, immer hab ich so ein Pech!" vs. Internals: "Tja, ich hätte halt im Gehen nicht auf mein Handy schauen sollen." ©Pixabay |
McLeods Studie hat
gezeigt, dass Studierende nach einem Auslandsaufenthalt mehr intern gesteuert sind
und so besser Probleme lösen können. Das kann ich nur bestätigen. Ganz allein
in einer komplett neuen Umgebung, fremden Kultur, ungewohnten Umständen und
unangenehmen Situationen – Während eines Auslandsstudiums sind wir auf uns selbst
angewiesen und müssen irgendwie allein klarkommen. Major Throwback zu meinem allerersten
Blogpost: Damals habe ich davon erzählt, wie schon das Benutzen öffentlicher Transportmittel
oder das Überqueren einer Straße im Ausland zum Abenteuer werden und einen
Kulturschock
auslösen kann. Wir müssen allein herausfinden, wie solche alltäglichen Dinge in
der ungewohnten Umgebung funktionieren. Ich persönlich hatte außerdem noch mit
grundlegenderen Situationen zu kämpfen, die nichts mit der fremden Kultur zu
tun hatten. Stichwort Wäschewaschen… Dadurch verwöhnt, dass meine Mutter auch nach
meinem Auszug noch meine Klamotten gewaschen hat, stand ich mit 21 Jahren (*peinlich*)
zum ersten Mal allein vor einer Waschmaschine und war völlig planlos. Nach
anfänglichen Schwierigkeiten wie ehemals weiße Handtücher, die nach dem Waschen
hellblau waren (schöner als vorher!), komme ich mittlerweile allerdings ganz gut zurecht.
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©Know Your Meme |
Dazu kam für mich
und andere Erasmus-Studenten, die ich kennengelernt habe, dass bei einem oder
maximal zwei Koffern Gepäck einfach vieles fehlt. Und für die paar Monate lohnt
es sich oft nicht, solche fehlenden Dinge zu kaufen. So haben wir gelernt, mit
relativ wenig auszukommen und zu improvisieren. Eine Glühweinflasche dient als
Nudelholz für den Plätzchenteig, Zahnseide zwischen zwei Schranktüren wird zur Wäscheleine
und aus einem Müllbeutel wird ein Regenüberzug für den Rucksack gebastelt.
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Der perfekte Schutz vor dem berüchtigten walisischen drizzle |
Wie „intern
gesteuert“ ich nach diesem Semester geworden bin? Für eine genaue Analyse bin
ich zu wenig Hobbypsychologin. Ich merke aber definitiv, dass ich mehr
Vertrauen in meine Fähigkeiten habe und glaube daran, dass ich aktiv
beeinflussen kann, was mir passiert und wie erfolgreich ich bin. Und die Moral
von der Geschicht', willst du dein Selbstwertgefühl stärken, studier' im
Ausland! (Oder so ähnlich…)
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©Literary Hub |
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